Archiv der Kategorie: Medizinrecht

Arzt haftet nicht für Diagnoseirrtum

Nürnberg (D-AH/fk) – Stellt ein Arzt trotz Einhaltung aller medizinischen Standards eine falsche Diagnose, so handelt es sich um einen Diagnoseirrtum. In einem solchen Fall muss der Mediziner nicht für Schäden haften, die aus der falschen Diagnose resultieren, urteilte das Oberlandesgericht Hamm (Az. 26 U 2/13).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, ließ eine Frau sich von ihrem Arzt eine Spirale zur Empfängnisverhütung einsetzen. Allerdings wurde sie zwei Jahre später schwanger und Mutter einer gesunden Tochter. Die Verhütungswirkung der Spirale entfiel nämlich, da die Gebärmutter der Frau eine Anomalie aufwies. Ein Fauxpas des Arztes, wie sich herausstellte: Er hatte eine Anomalie der Gebärmutter genauso wie die Frauenärztin der Mutter  erkannt. Die frischgebackenen Eltern waren der Meinung, der Mediziner hätte diese Anomalie bemerken müssen und sei somit an der Schwangerschaft schuld. Das Paar verlangte schließlich Schmerzensgeld, Ersatz für Verdienstausfälle und Unterhaltszahlungen.

Das Oberlandesgericht Hamm sah die Sache aber anders und kassierte damit auch die Entscheidung der Vorinstanz. Der Arzt habe sich gewissenhaft und rechtmäßig verhalten. „Er hätte bei Einhaltung der Richtlinien für eine solche Behandlung nicht auf diese Diagnose kommen müssen”, erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Das Leiden der Mutter sei extrem selten und durch die gebotenen Routineuntersuchungen nur sehr schwer zu erkennen. Zumal die Frau seit ihrem 14. Lebensjahr in frauenärztlicher Betreuung war und es auch dort keine Befunde für eine Anomalie der Gebärmutter gab. Der Arzt müsse also nicht für seinen Diagnoseirrtum haften, urteilte das Gericht.

Kein Schadensersatz vom Arzt für Brustvergrößerung mit Bausilikon

Nürnberg (D-AH/js) – Verwendet ein Hersteller Industriesilikon für Brustimplantate, so kann der Arzt, der diese einsetzt, nicht dafür verantwortlich gemacht werden. So entschied das Landgericht Essen und wies die Klage einer Patientin zurück (Az. 1 O 212/13).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, ließ sich eine Frau die Brüste vergrößern. Etwa zwei Jahre später stellte sich heraus, dass der Hersteller der Implantate auch einfaches Bausilikon verwendete. Der Dame wurde daraufhin geraten, die Implantate austauschen zu lassen. Für diese zweite OP musste die Patientin noch mal 2.300 Euro drauflegen.

Schließlich verklagte die Frau das Krankenhaus. Sie habe nach dem ersten Eingriff sehr starke Schmerzen gehabt. Nachdem sie erfahren hatte, dass sie gesundheitsschädliches Material im Körper trug, habe sie außerdem psychisch sehr gelitten. Der Arzt hätte sie über die Bedenken aufklären müssen, die bereits vor ihrer Behandlung gegen den Hersteller bekannt, wenn auch nicht bewiesen waren. Sie forderte, ihr die Kosten für den Austausch der Implantate zu erstatten. Außerdem verlangte sie Schmerzensgeld in Höhe von mindestens 10.000 Euro.

Das Landgericht Essen wies die Klage der Patientin jedoch zurück. Dem behandelnden Arzt könne weder ein Behandlungs- noch ein Aufklärungsfehler vorgeworfen werden. „Er durfte sich auf das vorhandene Prüfsiegel und damit auf die Qualität der Implantate verlassen”, erklärt Rechtsanwalt Andreas Fischer (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute) den Richterspruch. Zum Zeitpunkt der Brustvergrößerung der Patientin habe es auch noch keine offiziellen Zweifel an der Qualität der Silikonkissen gegeben. Selbst wenn das Krankenhaus gerüchteweise davon gehört hätte, bestand kein Anlass, die Patientin darüber zu informieren.