Archiv der Kategorie: Reiserecht

Auf eigene Faust: Erstattung auch bei eigenmächtig gebuchtem Ersatzflug

Nürnberg (anwaltshotline.de/kh) – Wer auf eigene Faust einen Ersatzflug bucht, ohne vorher den Reiseveranstalter darüber zu informieren, kann dem Reiseveranstalter die Mehrkosten unter Umständen in Rechnung stellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Reisebüro zuvor nicht darauf hingewiesen hat, dass Mängel immer zuerst beim Reiseveranstalter angezeigt werden müssen, entschied der Bundesgerichtshof (Az. X ZR 96/17).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, buchte eine vierköpfige Familie einen einwöchigen Pauschalurlaub in der Türkei. Am Abreisetag erhielten die Urlauber die Information, dass sich der Rückflug um mehr als zwei Stunden verschieben und außerdem ein neuer Zielort angeflogen würde. Da die Familie so mit einer mehr als sechsstündigen Verspätung zuhause angekommen wäre, buchte sie eigenständig einen Ersatzflug und forderte die Mehrkosten in Höhe von 1.235 Euro vom Reiseveranstalter zurück.

Dieser berief sich darauf, dass ein Mangel immer zunächst dem Reiseveranstalter anzuzeigen sei. Zusätzlich müsse dabei eine angemessene Frist zur Beseitigung des Mangels gesetzt werden. Zwar sieht der Bundesgerichtshof das grundsätzlich auch so, doch sei der Reiseveranstalter dazu verpflichtet, auf eben diese Regelung hinzuweisen. „Der Vermittler der Pauschalreise hat die Familie nicht ausreichend darüber informiert hat, dass ein Ersatzflug nicht einfach in Eigenregie gebucht werden kann. Aufgrund dieser Pflichtverletzung muss er die Mehrkosten der Reisenden übernehmen“, erklärt Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann  (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Die Frage, ob der Reiseveranstalter explizit auch auf eine nötige Fristsetzung hätte hinweisen müssen, ließ das Gericht offen.

Dreckiges Meer ist kein Reisemangel

Nürnberg (D-AH/) – Wer im Urlaub erkrankt, weil er im dreckigen Meerwasser schwimmt, kann dafür nicht den Reiseveranstalter verantwortlich machen. So urteilte das Landgericht Köln (Az. 22 O 204/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, verbrachte eine fünfköpfige Familie ihren Urlaub in der Türkei. Noch am ersten Tag badete die Familie im Mittelmeer. Nach zwei Tagen begann sich der Gesundheitszustand der Fünf zu verschlechtern. Durchfall und Erbrechen bestimmten ab sofort den Urlaub der Familie. Auch soll es in der Hotelumgebung immer wieder nach Fäkalien gestunken haben.

Als der Familienvater nach der Ankunft in Deutschland einen Fernsehbeitrag über das Urlaubsressort sah, wurde er stutzig: Die örtliche Kläranlage hatte einen Defekt und das Abwasser wurde ungeklärt in Strandnähe ins Meer geleitet. Erbost darüber, dass ihn vor Ort niemand auf diesen Zustand hingewiesen hatte, wollte er nun nachträglich seinen Reisepreis mindern.

Doch das Landgericht Köln stellte sich auf die Seite des Reiseveranstalters. Denn es gehöre zum allgemeinen Lebensrisiko eines jeden Reisenden, im Urlaub zu erkranken. Gerade in südlichen Ländern seien zur Urlaubszeit Durchfallerkrankungen üblich. Dem Reiseveranstalter könne kein Versäumnis vorgeworfen werden. „Es handelt sich hier um einen bekannten Badeort und der Reiseveranstalter darf sich darauf verlassen, dass die Qualität des Wassers dort laufend geprüft wird“, erklärt Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Auch, dass im Hotel unhygienische Zustände herrschten, könne nicht belegt werden. Zwar waren 38 Urlauber des Hotels erkrankt, angesichts einer Gesamtzahl von 691 Gästen sei das aber vernachlässigbar, so das Gericht. Der Reiseveranstalter ist somit aus dem Schneider.

Reiseveranstalter muss Ersatzkäufe nicht voll erstatten

Nürnberg (D-AH/fk) – Wer im Urlaub sein Gepäck erst Tage nach seiner Ankunft erhält, dem muss der Reiseveranstalter nicht die vollen Kosten der Ersatzkäufe zurückerstatten. So urteilte das Amtsgericht Köln (Az. 142 C 392/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, verreiste eine Frau zusammen mit einem Ehepaar nach Spanien. Ihr Flug hatte dabei 24 Stunden Verspätung. Damit nicht genug, befand sich das Hotelzimmer gegenüber einer lauten Baustelle und sie erhielt ihren Koffer erst drei Tage nach ihrer Ankunft. Die Urlauberin zog daraufhin los und besorgte sich Ersatzkleidung im Wert von 465 Euro. Wegen der Lärmbelästigung und des verspäteten Gepäcks wollte sie im Nachhinein ihren Reisepreis mindern und die Kosten für die Neueinkäufe erstattet haben – insgesamt ca. 900 Euro. Der Reiseveranstalter bot ihr ca. 340 Euro an, doch das war der Frau zu wenig. Sie ging deshalb vor Gericht.

Das Amtsgericht Köln gab ihr nur teilweise recht. Die Lärmbelästigung und die Unannehmlichkeiten wegen des verspäteten Gepäcks schmälerten zweifellos die erhoffte Erholung. “Entspricht der Urlaub nicht der beschriebenen Leistung, muss der Veranstalter den Preis nachträglich mindern“, erklärt Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Die Ersatzkäufe muss der Veranstalter aber nicht voll zurückzahlen. Auch wenn die wegen des verschwundenen Koffers nötig waren. Denn die Kleidung durfte die Urlauberin ja schließlich auch dann behalten, als sie den Koffer verspätet wiederbekam. Das Gericht sprach der Frau deswegen nur ca. 560 Euro zu.

Ratte im Hotelzimmer ist kein Reisemangel

Nürnberg (D-AH/fk) – Verirrt sich eine Ratte in ein Hotelzimmer, so ist das nicht gleich ein Reisemangel. Denn das beeinträchtigt Urlauber nicht, urteilte Amtsgericht Köln (Az. 142 C 78/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, machte eine Familie Urlaub auf Mallorca. Anstelle ihres ursprünglich gebuchten Zimmers bekamen die Urlauber ein kleineres, tiefergelegenes Zimmer im Hotel. Als der Vater am Abend die Balkontür öffnete, um zu lüften, verirrte sich eine Ratte in das Zimmer. Mit einem Hotelmitarbeiter gelang es schließlich, das Tier zu verjagen. Die anderen beiden Ratten, die der Familienvater auf dem nahe gelegenen Vordach erspähen konnte, versuchte der Angestellte ebenfalls zu vertreiben, was im jedoch nicht gelang. Den Umzug in ein anderes Zimmer lehnten die Betroffenen aber ab, denn schließlich könne auch dorthin Ungeziefer gelangen. Die Familie wollte daraufhin den Reisepreis um 50 Prozent mindern und ging gegen den Reiseveranstalter vor Gericht.

Doch das Amtsgericht Köln wies Klage ab. Denn bei nur einer Ratte im Zimmer handele es sich nicht um einen Reisemangel. Ein solcher läge nämlich dann vor, wenn das Hotel von den vertraglich abgesprochenen Bedingungen abweicht. Zwar müsse der Hotelbetreiber dafür sorgen, dass kein Ungeziefer den Weg in das Zimmer findet. Doch sei hier von einer einmaligen und zufälligen Beeinträchtigung zu sprechen. „In südlichen Massentourismusgebieten ist in Hotelnähe mit Ratten zu rechnen, auch wenn sich das Hotel an die Regeln für Sauberkeit hält”, erklärt Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Zwar sei verständlich, dass Ratten im Zimmer Ekel und Angst auslösen können. Doch handele es sich dabei um subjektives Empfinden. Für einen Reisemangel müsse aber stets eine objektive Beeinträchtigung gegeben sein, so das Gericht.

Magen-Darm-Krankheit kann Reisemangel sein

Nürnberg (D-AH/fk) – Wer sich im Urlaub mit einer Margen-Darm-Krankheit ansteckt, weil das Hotel nicht vor den unhygienischen Zustände vor Ort gewarnt hat, der kann die ungenutzten Urlaubstage erstattet und ein Schmerzensgeld bekommen. So urteilte das Landgericht Köln (Az. 2 O 56/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, buchte eine Familie einen Badeurlaub in einem Fünf-Sterne-Hotel in der Türkei. Das Hotel verfügt über einen eigenen, bewachten Sandstrand. Die örtliche Kläranlage hatte allerdings einen Defekt, und so wurde ungeklärtes Abwasser unweit des Strandes ins Meer geleitet. Viele Hotelgäste – darunter auch die vierköpfige Familie – fingen sich daraufhin beim Baden eine Magen-Darm-Infektion ein. Für die Familie waren die restlichen Urlaubstage wegen der Erkrankung vollkommen wertlos. Sie wollte vom Veranstalter daraufhin die restlichen, unnützen Tage erstattet bekommen und verlangte Schmerzensgeld.

Der Veranstalter allerdings sah die Sache anders. Er könne nichts für die defekte Kläranlage und sei daher auch nicht in der Pflicht, dadurch entstandene Schäden zu bezahlen.

Doch das Landgericht Köln gab der Familie recht. Die Familie konnte ihren Urlaub nicht wie vertraglich vereinbart genießen. Für einen Reisemangel sei es zudem unerheblich, ob der Veranstalter für die defekte Kläranlage verantwortlich ist.  Der Veranstalter müsse daher die nicht angetretenen Urlaubstage erstatten, so das Gericht.

Auch ein Schmerzensgeld sprach das Gericht der Familie zu. Das Hotel habe erst viel zu spät eine Warnung für den Badestrand herausgegeben. In der Region war bereits länger bekannt, dass die Kläranlage defekt ist und auch die örtliche Bevölkerung litt unter dem ungeklärten Wasser. „Das hätte der Veranstalter hier wissen und die Familie schon vorher in einem anderen Hotel unterbringen müssen”, erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper  (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Somit stehe jedem Familienmitglied ein Schmerzensgeld von 500 Euro zu, urteilte das Gericht.

Reiseveranstalter haftet nicht für defekte Hotelmöbel

Nürnberg (D-AH/js) – Ein Reiseveranstalter muss nicht jedes Möbelstück im Hotel auf mögliche Mängel untersuchen. So entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf und wies die Klage eines Reisenden zurück (Az. I-21 U 67/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, buchte ein Mann seinen Urlaub inklusive Hotelaufenthalt über einen Reiseveranstalter. Im Hotel am Urlaubsort verletzte er sich dann an einem Liegestuhl, indem er sich im verstellbaren Kopfteil der Liege den Finger einklemmte. Er verklagte daraufhin den Reiseveranstalter. Dieser hatte seiner Meinung nach die Obhuts- und Fürsorgepflicht ihm gegenüber verletzt. Er müsse solche Gefahren für die Urlauber durch regelmäßige Kontrollen im Hotel ausschließen.

Das Oberlandesgericht Düsseldorf wies die Klage des Reisenden zurück. Zwar müsse der Reiseveranstalter für Sicherheit am Zielort sorgen. „Das betrifft aber lediglich den allgemeinen baulichen Zustand der Einrichtung, wie Treppen, Aufzüge oder Balkongeländer, die bei einem Defekt ein großes Sicherheitsrisiko darstellen”, erklärt Rechtsanwalt Thomas Lork (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute) die Entscheidung des Oberlandesgerichtes.

Urlauber können vom Veranstalter jedoch nicht verlangen, bei jedem einzelnen Möbelstück nach potenzielle Risiken und Mängeln zu suchen. Im vorliegenden Fall hätte jeder Liegestuhl in jeder möglichen Position getestet werden müssen, um den Defekt zu erkennen. Das wäre für den Reiseveranstalter nicht zumutbar gewesen.

Reisemängel können auch ohne Rechtsanwalt vorgebracht werden

Nürnberg (D-AH/ea) – Beauftragt man einen Rechtsanwalt, um Reisemängel beim Veranstalter anzuzeigen und geltend zu machen, müssen die Kosten des Rechtsanwalts nicht zwingend vom Reiseveranstalter übernommen werden. Das hat das Amtsgericht München entschieden und die Klage einer Familie somit abgewiesen (Az. 261 C 2135/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, buchte eine Familie eine Pauschalreise und wollte mit der Bahn zum Flughafen Hannover fahren, um von dort aus nach Tunesien zu fliegen. Als dann aber der ICE knapp dreieinhalb Stunden Verspätung hatte, verpasste die Familie ihren Flug und kehrte nach einer Übernachtung im Hotel zurück nach Hause.

Ein von der Familie angeheuerter Rechtsanwalt setzte dann ein Schreiben auf, in dem der Reiseveranstalter außergerichtlich aufgefordert wurde, den Reisepreis, eine Entschädigung für die nutzlos aufgewendete Urlaubszeit sowie das Anwaltshonorar in Höhe von 413,64 Euro zu erstatten. Der Reiseveranstalter war aber der Meinung, dass er die Anwaltskosten nicht übernehmen müssen. Der Fall kam vor Gericht.

Die Klage der Familie wurde dort abgewiesen, da eine Beauftragung eines Rechtsanwalts in diesem Fall nicht nötig gewesen sei. „Eine Mängelanzeige kann zunächst auch ohne Rechtsanwalt erfolgen. Erst wenn der Reiseveranstalter darauf nicht reagiert oder die Mängel nicht anerkennt, kann ein Rechtsanwalt helfen. Erst dann muss auch das Anwaltshonorar bei berechtigten Mängeln vom Veranstalter übernommen werden”, erklärt Rechtsanwalt Thorsten Modla (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Sturz auf Treppe zum Pool ist kein Reisemangel

Nürnberg (D-AH/mc) – Wer auf der nassen Treppe im Poolbereich eines Hotels ausrutscht, kann beim Veranstalter keine Reisepreisminderung aufgrund eines Reisemangels geltend machen. Ebenso wenig hat dieser Schadenersatz oder Schmerzensgeld zu leisten. Das hat das Oberlandesgericht Frankfurt am Main entschieden und wies die Klage eines verletzten Urlaubers ab.

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, rutschte ein Hotelgast auf der nassen Treppe im Poolbereich aus, brach sich dabei das Steißbein und zog sich mehrere Prellungen am Arm und der Schulter zu. Daher konnte er nur noch seitlich liegen und musste Schmerzmittel einnehmen, bis er den Urlaub vorzeitig abbrechen konnte.

Der Verletzte meinte, dass der Reiseveranstalter für seine entgangenen Urlaubsfreuden verantwortlich war. Er sah auf der Treppe zwar die Reinigungsfrau, die hätte jedoch wegen gewischter Treppe ein Warnschild aufstellen müssen. Der Veranstalter hätte den Nassbereich besser überprüfen und sichern müssen. Daher verklagte der verletzte Urlauber ihn auf eine Minderung des Reisepreises um 85 Prozent, auf 12.000 Euro Schmerzensgeld sowie auf 25.000 Euro Schadenersatz aus einem verletzungsbedingt entgangenen Auftrag.

Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main aber wies die Klage ab. Im Poolbereich hat man schlicht mit einer nassen Treppe zu rechnen – auch damit, dass sie gereinigt wird und deswegen nass sein kann. „Der Unfall ist daher nicht auf einen Reisemangel zurückzuführen, sondern dem allgemeinen Lebensrisiko zuzuschreiben, das der Reiseveranstalter nicht verantwortet”, erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper das Urteil.

Ein fehlendes Warnschild sei auch nicht ursächlich für den Unfall gewesen, meint das Gericht. Denn wie der Kläger selbst schon ausführte, bemerkte er ja die Reinigungskraft und wusste daher von einer gewischten Treppe.