Fristlose Kündigung eines Pflegers unrechtmäßig

Nürnberg (D-AH/fk) – Leitet ein Anästhesie-Pfleger eigenmächtig die Narkose ein, ohne auf den Facharzt zu warten, so stellt das einen Grund für eine fristlose Kündigung dar. Allerdings nicht, wenn der Mann bereits 24 Jahre lang tadellos für den seinen Arbeitgeber tätig war. Das beschloss das Landesarbeitsgericht Hamm (Az. 7 TaBV 29/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, arbeitete ein Anästhesie-Pfleger seit 24 Jahren in einer Klinik. Er war unterdessen zur leitenden Pflegekraft aufgestiegen. Seine Hauptaufgabe war es, Patienten vor einer anstehenden Operation in Narkose zu versetzen. Nach den seit 2002 geltenden Regeln musste dafür allerdings auch immer ein Facharzt anwesend sein. Bei einer OP allerdings verzichtete der Mann auf den Arzt und führte die Narkose, wie schon in der Zeit vor 2002, selbstständig herbei. Dies betrachtete sein Arbeitgeber als Grund für eine fristlose Kündigung. Doch sowohl Betriebsrat, als auch der Pfleger selbst wollten das nicht hinnehmen.

Und das Landesarbeitsgericht Hamm gab ihnen recht. Denn das Gericht könne die verweigerte Zustimmung des Betriebsrats nur kippen, wenn die Gründe für eine außerordentliche Kündigung erfüllt seien. Der Arbeitgeber müsse also beweisen, dass eine Weiterbeschäftigung des Pflegers für ihn unzumutbar ist. “Etwa wenn das Vertrauensverhältnis unwiderruflich zerstört ist oder Wiederholungsgefahr besteht”, erklärt Rechtsanwältin Andrea Brümmer (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Dies sei hier aber nicht der Fall, so das Gericht.

Denn der Pfleger habe bereist 24 Jahre tadellos für seinen Arbeitgeber seine Leistung erbracht. Eine Abmahnung oder die Versetzung an einen anderen Arbeitsplatz wären ein angemesseneres Mittel gewesen.