Sorgerecht wird nicht auf Wunsch des Kindes entzogen

Nürnberg (D-AH/js) – Eltern kann das Sorgerecht nicht entzogen werden, nur weil das Kind es wünscht. Besonders dann nicht, wenn die Eltern die Vorwürfe bestreiten und sogar widerlegen  können. So entschied das Oberlandesgericht Hamm und wies die Forderung einer Jugendlichen zurück (Az. 4 UF 16/15).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, ging eine 13-Jährige zum Jugendamt und bat darum, sie bei einer Pflegefamilie unterzubringen. Sie behauptete, ihr Vater schlage sie regelmäßig und habe ihr dabei sogar einmal einen Zahn abgebrochen. Zudem müsse sie übermäßig viel im Haushalt helfen, beispielsweise Holz hacken oder den Tisch abräumen. Der psychische Druck im elterlichen Haus bringe sie sogar dazu, sich die Arme aufzuritzen. Die Eltern wollten aber nicht, dass ihre Tochter in einer Pflegefamilie untergebracht wird. Der Streit ging vor Gericht.

Das Oberlandesgericht Hamm vertritt die Ansicht der Eltern. „Das Sorgerecht kann nur dann entzogen werden, wenn die Sorgeberechtigten das Wohl oder die Gesundheit des Kindes gefährden”, erklärt Rechtsanwältin Jetta Kasper (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute) die gesetzliche Grundlage. Die Tochter war zwar der Meinung, das sei hier der Fall, konnte diese Behauptung aber nicht beweisen. Dass der Vater ihr einen Zahn abgebrochen hatte, konnte beispielsweise ein zahnärztliches Gutachten nicht bestätigen.

Die Eltern räumten ein, dass der Vater seiner Tochter einmal eine Ohrfeige gegeben hatte. Das sei allerdings noch kein Anlass dafür, den Eltern das Sorgerecht zu entziehen. Auch im Haushalt  mitzuhelfen sei für eine 13-Jährige durchaus angebracht. Eine strenge Erziehung gefährde oder schädige ein Kind nicht. Das Sorgerecht für die Jugendliche bleibt deshalb bei den Eltern.

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