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Chaos am Check-In-Schalter: Reisende müssen Eigeninitiative zeigen

Nürnberg (anwaltshotline.de/kh) – Bei chaotischen Verhältnissen an den Check-In-Schaltern kommt es mitunter vor, dass Reisende ihren Flug trotz ausreichend großem Zeitpuffer verpassen. Machen Passagiere in einer solchen Situation nicht aktiv auf sich aufmerksam, kann der Schadensersatz gekürzt werden, so das Amtsgericht München (Az. 154 C 2636/18).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, fand sich eine Familie aus Thüringen rund zwei Stunden vor Abflug am Flughafen ein. Da an den Check-In-Schaltern der Airline zwei Flüge parallel abgefertigt wurden, kam es zu verhältnismäßig langen Schlangen. Dies führte dazu, dass die Familie den Schalter erst 25 Minuten vor Abflug erreichte und das Flugzeug schließlich ohne sie abhob. Die Reisenden warfen der Airline schlechte Organisation vor und forderten deshalb Schadensersatz.

In weiten Teilen stellte sich das Gericht auf die Seite der Urlauber: Zwar hätten Angestellte der Airline wartende Passagiere des betroffenen Flugs mündlich darüber informiert, dass sie nach vorne kommen könnten. „Beim hohen Lautstärkepegel in einer Abflughalle ist aber nicht davon auszugehen, dass alle Fluggäste den Hinweis auch wirklich hören“, erklärt Rechtsanwältin Annegret Boeddecker (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute). Die Familie selbst hätte allerdings mehr Eigeninitiative zeigen müssen: Da sie nicht aktiv auf sich aufmerksam gemacht habe und entsprechend eine Mitschuld trage, hielt das Gericht eine Kürzung des Schadensersatzes für angemessen.

Das Gericht minderte den Reisepreis schließlich in Höhe eines Tagespreises und sprach der Familie außerdem eine Entschädigung in gleicher Höhe für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit zu. Den Schadensersatz für die Kosten des Ersatzfluges kürzte das Gericht allerdings um 50 Prozent.

Auf eigene Faust: Erstattung auch bei eigenmächtig gebuchtem Ersatzflug

Nürnberg (anwaltshotline.de/kh) – Wer auf eigene Faust einen Ersatzflug bucht, ohne vorher den Reiseveranstalter darüber zu informieren, kann dem Reiseveranstalter die Mehrkosten unter Umständen in Rechnung stellen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn das Reisebüro zuvor nicht darauf hingewiesen hat, dass Mängel immer zuerst beim Reiseveranstalter angezeigt werden müssen, entschied der Bundesgerichtshof (Az. X ZR 96/17).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, buchte eine vierköpfige Familie einen einwöchigen Pauschalurlaub in der Türkei. Am Abreisetag erhielten die Urlauber die Information, dass sich der Rückflug um mehr als zwei Stunden verschieben und außerdem ein neuer Zielort angeflogen würde. Da die Familie so mit einer mehr als sechsstündigen Verspätung zuhause angekommen wäre, buchte sie eigenständig einen Ersatzflug und forderte die Mehrkosten in Höhe von 1.235 Euro vom Reiseveranstalter zurück.

Dieser berief sich darauf, dass ein Mangel immer zunächst dem Reiseveranstalter anzuzeigen sei. Zusätzlich müsse dabei eine angemessene Frist zur Beseitigung des Mangels gesetzt werden. Zwar sieht der Bundesgerichtshof das grundsätzlich auch so, doch sei der Reiseveranstalter dazu verpflichtet, auf eben diese Regelung hinzuweisen. „Der Vermittler der Pauschalreise hat die Familie nicht ausreichend darüber informiert hat, dass ein Ersatzflug nicht einfach in Eigenregie gebucht werden kann. Aufgrund dieser Pflichtverletzung muss er die Mehrkosten der Reisenden übernehmen“, erklärt Rechtsanwalt Karl Heinz Lehmann  (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Die Frage, ob der Reiseveranstalter explizit auch auf eine nötige Fristsetzung hätte hinweisen müssen, ließ das Gericht offen.