Kündigung nach Sitzstreik im Chefbüro

Nürnberg (D-AH/fk) – Nötigt eine Arbeitnehmerin mit einem Sitzstreik im Büro ihren Chefs zu einer Gehaltserhöhung, so darf er ihr auch ohne vorherige Abmahnung kündigen. So urteilte das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Az. 3 Sa 354/14).

Wie die telefonische Rechtsberatung der Deutschen Anwaltshotline (www.deutsche-anwaltshotline.de) berichtet, arbeitete eine Frau seit nunmehr 22 Jahren in einem Betrieb, zuletzt in leitender Position. Mit ihrem Gehalt war sie allerdings nicht zufrieden und suchte immer wieder das Gespräch über eine Gehaltserhöhung. Nach mehreren erfolglosen Versuchen hatte ihr Chef ihr unmissverständlich klargemacht, dass sie keine Gehaltserhöhung erwarten könne.

Als die Angestellte trotzdem erneut dieses Thema aufwarf und abblitzte, weigerte sie sich, das Büro ihres Vorgesetzten zu verlassen. Sie wollte erst gehen, wenn ihre Forderungen erfüllt würden. Auch gutes Zureden brachte nichts, und die Polizei musste die Frau schließlich nach über zwei Stunden Sitzstreik aus dem Büro eskortieren. Der Betrieb kündigte ihr daraufhin fristlos.

Doch das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein erklärte die fristlose Kündigung für unwirksam. Eine ordentliche Kündigung mit Kündigungsfrist sei aber sehr wohl gerechtfertigt. Die Arbeitnehmerin habe mit ihrem Verhalten ihren Arbeitgeber genötigt, sodass eine Kündigung für den Arbeitgeber unausweichlich war, so das Gericht. Auch eine Abmahnung sei hier  nicht nötig gewesen. „Da der Angestellten klar sein musste, dass ihr Verhalten Konsequenzen mit sich ziehen wird, ist auch keine Abmahnung erforderlich”, erklärt Rechtsanwältin Andrea Brümmer (telefonische Rechtsberatung unter 0900/1875000-0 für 1,99 Euro pro Minute).

Die Frau war auch nicht für Kompromisse zu gewinnen. Der Betrieb hatte daher gar keine andere Wahl als der Dame zu kündigen. Allerdings sei eine fristlose Kündigung aufgrund der langen Betriebszugehörigkeit nicht angebracht, urteilte das Gericht.